Archäologie in Sachsen Anhalt / SB 23

17,00 

Archäologie an der B6n im Salzlandkreis

Artikelnummer: 40178 Kategorie:

Beschreibung

Noch heute zeugt das Zuckerwerk von Könnern, Salzlandkreis, von einer mittlerweile fast vergessenen Zeit, als im 19. Jh. die sogenannten Zuckerbarone den Bernburger Raum untereinander aufgeteilt hatten. Die guten Böden, die schon über 7?000 Jahre zuvor den ersten Ackerbauern und Siedlern Mitteleuropas als hervorragendes Standortkriterium galten, verleiteten zu einer Umstellung auf für damalige Zeit großmaßstäbigen Anbau von Zuckerrüben. Damals –?wie auch heute?– standen Angebot und Nachfrage unmittelbar in Zusammenhang, und so kann die wirtschaftliche Prosperität eines Betriebes die unternehmerische Insolvenz einer anderen Firma nach sich ziehen. Von solchen Prozessen erzählt auch die vergessene Siedlung Neunfinger bei Weddegast. Erst archäologische Untersuchungen riefen das einstige Straßendorf mit Gastwirtschaft wieder ins Gedächtnis zurück. Archäologie ist ein weites Feld von den Anfängen des Menschen – der australopithecus lebte vor ca. 4 bis 5 Millionen Jahren – bis »gestern«. Man spricht von Archäologie, wenn Bodenfunde erheblich mehr als schriftliche oder mündliche Überlieferungen zur Aufklärung eines Sachverhaltes beitragen. Je weiter wir in der Geschichte zurückschauen, wissen wir in aller Regel immer weniger, und vor allem die schriftlosen Zeiten sind uns bis heute noch immer in weiten Teilen unbekannt. Archäologische Grabungen bringen punktuell Licht ins Dunkel. Und so erklärt sich auch, dass immer noch fast jede archäologische Untersuchung eine Präzisierung und manchmal sogar Umschreibung unserer eigenen Geschichte bedeutet. Dieser Erkenntnisgewinn soll allen Bürgern zur Verfügung stehen. So ist es für das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt selbstverständlich, die Ergebnisse in verständlicher Form vorzulegen. Mit vorliegender Publikation halten wir schon den vierten großen Sonderband zur B?6n in der Reihe »Archäologie in Sachsen-Anhalt« in Händen. Vor allem die Ergebnisse aus den Planungsabschnitten 4 und 5 sowie 8 und 9 der zukünftigen bzw. bestehenden B?6n sind bereits als Buch erschienen. Vorliegender Band umfasst die Abschnitte 13 bis 15 inklusive dem westlichsten Teilbereich des Planungsabschnittes 16, der verkehrstechnisch bedingt vorgezogen worden war. Parallel zu den Tätigkeiten im Gelände gelang es mit kleineren und größeren Ausstellungen die Ortsansässigen über den kulturellen Reichtum der Region zu informieren. Über mehrere Monate hinweg waren Ausstellungen im Schloss Quedlinburg, im Schloss Bernburg und im Schloss Köthen zu sehen. Die Resonanz war stets so groß, dass auch Präsentationen im Bundesverkehrsministerium in Berlin sowie in der Landeshauptstadt Magdeburg stattfanden. Einige Befunde, wie beispielsweise die mittelneolithische Totenhütte von Benzingerode oder das in diesem Band vorgestellte spätbronzenzeitliche Steinkistengrab von Weddegast, bilden inzwischen einen wesentlichen Bestandteil der Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Bald wird ein weiteres Buch zu den Ergebnissen im Planungsabschnitt 16 folgen. Und erste, schon jetzt stattfindende archäologische Arbeiten im zukünftigen Planungsabschnitt 17 zeigen, welch hohes Geschichtspotenzial zwischen Harz und Anhalt verborgen liegt. Die guten Böden, klimagünstige Parameter, aber auch Rohstoffe wie Salz waren von alters her Anziehungspunkt für den Menschen. Zu keiner Zeit geriet die ungefähr 70?km in West-Ost-Richtung überspannende Region in Vergessenheit. Großmaßstäbige landwirtschaftliche Arbeiten, die seit 1900 durch den Einsatz des Dampfpfluges ganz neue Dimensionen annahmen, und später die nochmalige Zusammenlegung größerer Felder zu riesigen Produktionseinheiten veränderten die Landschaft erheblich. Hatten schon die ersten Ackerbauern und Siedler vor 7?000 Jahren begonnen, die Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft zu überführen, wurde diese aber erst in den letzten 150 Jahren zu einer Agrarwüste. Auf die archäologischen Quellen hat dies erheblichen Einfluss. Die rasant zunehmende Erosion greift stark in die archäologische Substanz ein, sodass wir manchmal von der ehemals »reichen« Landschaft nur noch die tiefen Befunde kennen – eine verhältnismäßige Überzahl wurde beispielsweise bei Güsten und Ilberstedt bekannt, wohingegen die weniger tief eingebrachten Siedlungsspuren größtenteils fehlen. Die vorliegende Publikation mit den Abschnitten 13 bis 15 bzw. 16 deckt auf ca. 25?km Strecke 7?000 Jahre Geschichte ab, die in nur 2,5 Jahren ausgegraben worden war. Bereits 2001 begann V.?Dresely mit den großen und modernen Ausgrabungen bei Benzingerode (vgl. Sonderband 2 Querschnitt: Ausgrabung an der B?6n zwischen Benzingerode und Heimburg sowie Sonderband 7: Die Totenhütte von Benzingerode. Archäologie und Anthropologie) und schon kurze Zeit später lag der Schwerpunkt bei Quedlinburg (vgl. Sonderband 4: Archäologie XXL: Archäologie an der B?6n im Landkreis Quedlinburg). So wie der Bau der neuen Bundesstraße B?6n immer weiter in östliche Richtung voranschreitet, so werden die archäologischen Aktivitäten –?stets im Vorfeld des Straßenbaus?– weiter vorangetrieben. Den Vertretern* des Straßenbaus sowohl in den Verkehrsministerien als auch vor allem in der Landesstraßenbaubehörde danken wir an dieser Stelle ganz ausdrücklich für die kontinuierliche gute Zusammenarbeit. Gemeinsam entwickelten wir Anfang der 2000er-Jahre ein Verfahren, auf dessen Grundlage schon vor Beginn der eigentlichen Baumaßnahme die archäologischen Grabungen im Gelände abgeschlossen sind. Dies verschafft nicht nur Planungssicherheit für beide Seiten, sondern wirbt auch für ein verstärktes gemeinsames Verständnis hinsichtlich Ausbau der bestehenden Infrastruktur und der historischen Bedeutung der Region.
Etwa auf Höhe der Saale kam es bezüglich der archäologischen Grabungen zur Übergabe der Projektleitung von Herrn Dr. Dresely an Frau Dr. Friederich. Einige Grabungsleiter und Grabungsmitarbeiter waren seit der ersten Stunde der B?6n dabei und andere sind erst bei den letzten Grabungen dazu gestoßen. Ihnen allen sind wir zu Dank verpflichtet. Sie haben bei Wind und Wetter die Geschichtsquellen im Boden erkannt, in Handarbeit gehoben und sodann dokumentiert und inventarisiert. Ihr unermüdliches Engagement, dann auch noch eine Publikation zu erstellen, ist keine Selbstverständlichkeit. Nochmals herzlichsten Dank für die Bereitschaft, mithilfe der vorliegenden Publikation jene Faszination, welche die archäologischen Funde bereits während der Ausgrabung auf uns ausübten, an alle Leserinnen und Leser weiterzugeben.