7. Mitteldeutscher Archäologentag

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2200 BC – Ein Klimasturz als Ursache für den Verfall der alten Welt?

 

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Beschreibung

Während des im Jahr 2011 vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt veranstalteten 4. Mitteldeutschen Archäologentages mit dem Thema »1600 – Kultureller Umbruch im Schatten des Thera-Ausbruchs?« wurde ein neuer Ansatz der Archäologie zur Erforschung von ökologischen und sozialen Veränderungen gesucht. Der Fokus lag auf einem bestimmten Zeitpunkt, der sich im mitteldeutschen archäologischen Befund deutlich durch ein Ereignis fassen lässt, und die Auswirkungen im weiteren geografischen Raum. Im Hinblick darauf befasste sich die Tagung 2011 mit den ökologischen und sozialen Veränderungen um 1600 v. Chr. im Gebiet zwischen dem Vorderen Orient und der Atlantikküste sowie zwischen Nordafrika und Skandinavien. Die Periode war geprägt vom Ausbruch des Thera-Vulkans sowie durch die Niederlegung der Himmelsscheibe von Nebra – Letztere ein einzigartiger archäologischer Fund der Vorgeschichte, die den Niedergang eines Weltbildes anzuzeigen scheint. Das Ziel der Tagung und anschließenden Publikation war weder das Bestätigen noch das Verwerfen der Hypothese, dass der Ausbruch des Thera-Vulkans eine deutliche Auswirkung auf die soziale Entwicklung im Mittelmeerraum und in Europa nach 1600 v. Chr. nach sich zog (Meller u. a. 2013). Die Absicht war vielmehr, eine historische Geografie zu definieren, die möglicherweise eine Erklärung dafür liefern könnte, warum sich in so vielen, nach außen hin nicht verbundenen Regionen im 16. Jh. v. Chr. deutliche Veränderungen im archäologischen Befund herauszubilden begannen. Man kam zu dem Schluss, dass nur eine Gesamtschau auf der Basis gut datierter paläoäkologischer und archäologischer Abfolgen Aufschluss über die Aspekte des sozioökonomischen Wandels geben könne, der in diversen Gesellschaften innerhalb einer erstaunlich kurzen Zeitspanne stattfand. Interessanterweise folgerten wir, dass gewisse Gesellschaften bzw. archäologische Ausprägungen im 16. Jh, v. Chr. zusammenbrachen, andere Gruppierungen jedoch in dieser Periode eine Phase neuer Möglichkeiten und ökonomischen Aufschwungs erlebten. Zudem zeigte sich, dass die schärfsten Umbrüche – abgesehen vom Vulkanausbruch auf der Insel Santorini selbst – durch soziale und ideologische Einflüsse sowie durch klimatische oder wirtschaftliche Entwicklungen ausgelöst worden sind. Des Weiteren bedeutet dies, dass der Wahrnehmung von gewissen erlebten, tradierten oder erdachten Ereignissen in vergangenen Gesellschaften wohl mehr Einfluss zugestanden werden muss bzw. diesen mindestens genauso viel Bedeutung als potenzielle Auslöser des Wandels zugewiesen werden sollte.