Trinkhornmännchen von Seehausen

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Artikelnummer: 3.0093 Kategorie:

Beschreibung

Im Frühjahr 2004 wurde auf der Anhöhe „Der Burgberg“ bei Seehausen, Ldkr. Börde, eine Bronzekleinskulptur entdeckt, die im archäologischen Erbe Mitteldeutschlands ihresgleichen sucht. Die vollplastische 4,0 cm lange, 3,6 cm hohe und 1,9 cm breite Halbfigur zeigt den Oberkörper eines bärtigen Mannes mit Mütze, dessen Unterkörper in einen fassförmigen Zylinder aufgeht. Seine Gestik und Mimik wirken durch sein Lächeln, die nach vorn ausgestreckten Arme sowie das Trinkhorn in seiner rechten Hand freundlich und einladend. Stilistisch entspricht die Statuette den slawischen “ Taschengöttern“ und wikingischen Götterfigürchen des 10. – 12. Jahrhunderts. Das Trinkhorn verweist dabei auf den vierköpfigen Gott Svantevit – der obersten Gottheit einiger Slawenstämme im Elbe und Ostseeraum. Da Svantevit auch in vereinfachten Darstellungen immer mehrköpfig dargestellt ist, der Trinkhornmann jedoch nur einen Kopf besitzt, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eher um einen sakralen Repräsentanten. Das Fundstück selber war, wie vergleichbare Funde aus Polen zeigen, am wahrscheinlichsten der Prunkdorn eines plastisch verzierten Reitersporns. Der plastische Figurenschmuck, mit dem solche slawischen Prunksporen verziert sind, bezieht sich auf die religiösen Glaubenssvorstellungen ihrer Träger. Der Trinkhornmann ist somit nicht nur eines der seltenen mittelalterlichen Bildwerke slawischen Ursprungs in Mitteldeutschland, sondern auch ein Dokument der Glaubenswelt der Elbslawen.