Veröffentlichung Band 62

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Beschreibung

Dietrich Mania gehört zu denjenigen Forscherpersönlichkeiten der Archäologie, die durch sein unermüdliches, lebenslanges und engagiertes Wirken eine ganze Fundregion prägen. Vor allem das Alt- und Mittelpaläolithikum Mitteldeutschlands wäre ohne seine Rettungs- und Forschungsgrabungen kaum zu skizzieren. Zahlreiche Fundorte dieser Epoche wie Bilzingsleben, Königsaue oder eben Neumark-Nord sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Zu seinen Leistungen zählt jedoch nicht nur die Dokumentation der Fundstellen. sondern vor allem auch ihre zügige Publikation. Dies ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sind doch engagierte und verdiente Ausgräber nicht notwendigerweise auch jeweils unermüdliche Autoren. Dies ist bei Dietrich Mania anders. Der produktiven Geländearbeit steht eine ebenso große Produktion an Fachartikeln und Monographien gegenüber. Zu seinen besonderen Leistungen gehört die Bildung einer Jahrzehnte zusammenarbeitenden stabilen, äußerst kenntnisreichen Forschergruppe. die die viel beschworene Transdisziplinarität uneitel und selbstlos praktizierte. Dass diese Forschungsgruppe Bilzingsleben auch auf den Fundstellen des 1985 durch Matthias Thomae entdeckten mittelpaläolithischen Ökosystems im Tagebau Neumark-Nord zum Einsatz kam, war ein Glücksfall für die Archäologie Mitteldeutschlands. Nur auf dieser Grundlage war es möglich, die fantastisch erhaltenen Belege für die Flora und Fauna, aber auch für das kulturelle Wirken des Menschen an dieser Fundstelle zu retten und zu analysieren. Bedauerlich ist, dass den Bemühungen zur Rettung der einzigartigen Fundstellen nach der politischen Wende mit den Möglichkeiten der neuen Gesetzlichkeit nicht mehr Unterstützung zuteilwurde. Umso mehr freut es mich, dass es Dietrich Mania und seiner Forschergruppe gelungen ist, eine weitere, diesmal doch recht gewichtige Publikation zu den Fundstellen im ehemaligen Tagebau Neumark-Nord zu verfassen. Dass die dortigen Entdeckungen besonders in Bezug auf ihre chronologische Einordnung Gegenstand lebhafter wissenschaftlicher Diskussionen sind, zeigt nur ihre Bedeutung. Hier bleibt die Klärung innerhalb der international noch lange nicht abgeschlossenen Diskussion um die Chronologie des Mittelpleistozäns. also eine Verbindung zwischen terrestrischen und maritimen Daten abzuwarten. Erfreulicherweise gelang es ab 2003 zuerst unter der Leitung von Dietrich Mania, dann unter der Leitung von Sabine Gaudzinski-Windheuser und Wil Roebroeks in den immer noch gefährdeten Restflächen von Neumark-Nord – besonders im Bereich von Neumark-Nord 2 – eine weitere, diesmal materiell wesentlich besser unterstützte Rettungsgrabung zu installieren.